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Von  Jürgen Vollmer und Frank Böttcher
Stürmische Zeiten
Weihnachtsorkan löst Streit um Rolle des DWD aus
Das Wärmebild
des Satelliten
Meteosat-7
vom 26.12.99
00 Uhr UTC
zeigt: Eine
kleine Wolken-
welle mausert
sich über der
Bretagne
über Nacht
zum Orkan!
Am Sonntag, den 26. Dezember 1999, es war der zweite Weihnachtsfeiertag, fegte einer der schwersten Orkane dieses Jahrhunderts über weite Teile Frankreichs, der Schweiz und Südwestdeutschlands hinweg und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Ganze Waldgebiete wurden von dem Sturm, der mit Spitzenböen bis über 200 km/h über die betroffenen Regionen hinwegraste, flachgelegt, die Bäume entwurzelt oder in halber Höhe einfach wie Streichhölzer abgeknickt, Dächer wurden abgedeckt, Baukräne und Strommasten umgeblasen, Autos von Fahrbahnen geweht, ja sogar Fensterscheiben eingedrückt und Dutzende von Menschen durch umherfliegende Trümmer getötet.

Nur drei Wochen nach dem verheerenden Orkan ANATOL, der erst am 3. Dezember den äussersten Norden Deutschlands und Dänemarks mit ähnlicher Gewalt heimgesucht hatte, war der Orkan LOTHAR, ein weiterer Monstersturm, wie aus dem Nichts aufgetaucht und hatte binnen Stunden ein Trümmerfeld schlimmster Zerstörungen hinterlassen. Die materiellen Schäden liegen nach jüngsten Schätzungen - europaweit - im zweistelligen Milliardenbereich.

Beide Ereignisse hatten eines gemeinsam: Sie waren bis zuletzt von den Vorhersagemodellen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) unterschätzt worden und das, obwohl das neue Regionalmodell (LM) des DWD erst Anfang November als eines der modernsten und leistungsfähigsten Europas präsentiert und in Dienst gestellt worden war.

Andere europäische Wetterdienste hatten die Stürme schneller und genauer erkannt und damit den zeitlichen Spielraum für adäquate Vorwarnungen der Bevölkerung zumindest um ein paar Stunden vergrössert, - praktisch genutzt wurden diese Modell-Vorteile indessen weder im Falle von ANATOL noch bei Orkan LOTHAR.

So sieht sich der DWD nach dem Weihnachtsorkan LOTHAR nunmehr massiver öffentlicher Kritik ausgesetzt. ARD-Fernsehmeteorologe Joerg Kachelmann wirft den Offenbachern vor, den Sturm schlichtweg verschlafen und nicht rechtzeitig vor dessen Gefahren gewarnt zu haben. Der ehemalige DWD-Mitarbeiter Klaus Gagel spricht im gleichen Zusammenhang vom Versagen bzw. vom Fehlen einer funktionsfähigen Warn-Infrastruktur und sieht diese Mängel bis zum nächsten Sturm "wie ein Damoklesschwert" über der Offenbacher Behörde hängen, falls an den von ihm bemängelten Strukturen des Apparats DWD nicht sehr bald etwas geändert werde.

Der Wetterspiegel versucht im vorliegenden Special noch einmal den Gang der Ereignisse um den Weihnachtsorkan LOTHAR nachzuzeichnen und stellt die unterschiedlichen Positionen der DWD-Kritiker sowie eine vom DWD herausgegebene Presseerklärung vor, verbunden mit der Hoffnung, die bis jetzt sehr emotional geführte Diskussion in sachlichere Bahnen lenken zu können. Denn soviel steht jetzt schon fest: Der nächste Sturm kommt bestimmt und bis dahin sollten alle europäischen Wetterdienste aus den Fehlern der beiden letzten Orkane gelernt haben...


Der Sturm braut sich zusammen

Am Samstag, den 25. Dezember 1999, abends, ist die Wetterwelt für den Deutschen Wetterdienst (DWD) noch in Ordnung. Erwartungsgemäss hat sich das schon Tage zuvor angekündigte Weihnachtstauwetter eingestellt und dieses sollte sich, nach den Berechnungen der Offenbacher ebenso, wie nach den Vorhersagen diverser privater Wetterdienste auch am zweiten Weihnachtstag noch weiter etablieren. Stürmische Winde und immer wieder Regen, lautet das allgemeine Wetter-Motto für den zweiten Weihnachtstag, der von einigen schaurigen Nuancen abgesehen ohne grosse Überraschungen einmal mehr von der atlantischen Wetterküche beherrscht werden soll...

Auch die anderen europäischen Wetterdienste sehens bis zum Mittag dieses Tages nicht anders. Unterschiede in der Bewertung der Wetterlage gibt es auch hier nur in Nuancen.

Doch das ändert sich in den Abendstunden des ersten Weihnachtstages auf dramatische Weise: Mehrere internationale Wetterdienste prognostizieren auf Basis ihrer Mittagskarten gegen 22 Uhr plötzlich ein starkes Tief, das sich während der Nacht binnen Stunden vor Frankreich entwickeln und von da aus am Folgetag genau nach Deutschland ziehen soll. Obwohl es noch unterschiedliche Einschätzungen bezüglich der zu erwartenden Ausprägung und Zugbahn dieses Tiefs gibt, scheint klar: Da rauscht ein mächtiger Batzen auf uns zu!

Am heftigsten soll sich dieses Tief, das später auf den Namen LOTHAR getauft wird, nach den Prognosekarten des britischen Wetterdienstes UKMO entwickeln und mit einem Kerndruck von nur noch 966 hPa anderntags über Nordwestdeutschland hinwegziehen. Diese Entwicklung würde praktisch für das gesamte südliche und mittlere Deutschland schweren Sturm mit Orkanböen bedeuten. Leider stehen die Vergleichs-Plottungen des DWD aus dem 12-Uhr-Lauf aus Gründen der Datenpolitik des Dienstes der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung und die Prognosen des vorangegangenen Laufs haben lediglich eine schnell ziehende Welle gerechnet.

Erste Sturmböen über der Bretagne

Am frühen Morgen des zweiten Weihnachtstages ist es dann soweit: Bereits um 1 Uhr MEZ werden über der Bretagne die ersten, schweren Sturmböen registriert. Dabei fällt der Luftdruck mit immer rasanterer Geschwindigkeit. Satellitenbilder zeigen wenig westlich über der Biskaya bereits eine gut ausgeprägte Welle, deren Wolkenschirm einzudrehen beginnt, ein Zeichen dafür, dass sich hier ein zwar kleinräumiges, aber in sich abgeschlossenes Wettersystem mit weiteren, beträchtlichen Entwicklungspotentialen zu formieren beginnt. Über der Biskaya tobt zu diesem Zeitpunkt bereits der Orkan...

Lothar rast über Frankreich hinweg

Wenige Stunden später, am 26.12. um 7 Uhr MEZ rast der neu entstandene Orkan LOTHAR bereits mit voller Wucht über Frankreich hinweg. Mit Druckfalltendenzen von bis zu 26,5 hPa innerhalb von nur 3 Stunden hatte er zuvor in den Frühstunden bereits neue Rekorde aufgestellt, was die Schnelligkeit seiner Vertiefung zum Sturmwirbel betrifft. Normalerweise werden derart extreme Druckfalltendenzen allenfalls im isländisch-grönländischen Gebiet, nicht aber über West- oder Mitteleuropa beobachtet. Die nächtlichen Wettermeldungen aus Frankreich sind alarmierend. Sturmböen bis über 150 km/h werden gemeldet und um 7 Uhr meldet Paris sogar eine Bö von über 170 km/h. - Soviel ist mittlerweile seit mindestens 4 Uhr in der Frühe klar: Hier kommt ein Sturm von besonders extremer Ausprägung auf Deutschland zu. Allein die exakte Zugbahn des Monstersturms steht immer noch nicht fest.

Dennoch werden zu diesem Zeitpunkt noch keine aktuellen Sturmwarnungen übers Radio verbreitet. Lediglich der Nachrichtenwetterbericht einiger Sender erwähnt für den Tag inzwischen die Gefahr schwerer Sturm- oder Orkanböen....

Erste Sturmwarnungen kommen übers Radio

Dann endlich, im Lauf der Vormittagsstunden ist es soweit: Übers Radio werden Sturm- und Orkanwarnungen des DWD verbreitet. Gewarnt wird vor Orkanböen bis 130 km/h, gegen mittag wird diese Warnung für den Südwesten des Landes sogar noch einmal verschärft: Jetzt enthalten die Unwetterwarnungen Hinweise auf Spitzenböen bis 150 km/h. - Zu diesem Zeitpunkt hat der Orkan LOTHAR bereits das Saarland, den Süden von Rheinland-Pfalz und die westlichen Landesteile von Baden-Württemberg erreicht, - im Schwarzwald brechen die Bäume bereits wie Streichhölzer um...


Lothar rast über Süddeutschland hinweg

Und dann geht alles Schlag auf Schlag, - die Nachrichten über die katastrophalen Auswirkungen des Orkans überschlagen sich: In einer breiten Schneise, die vom Saarland über Baden-Württemberg bis nach Bayern verläuft, richtet der Orkan in den folgenden Stunden Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe an. Ganze Waldgebiete werden einfach umgelegt, Hunderte von Häusern abgedeckt, Stromleitungen zerstört, mehrere Dutzend Menschen von umherfliegenden Trümmern zum Teil schwer verletzt, viele werden dabei getötet. Das Desaster, das der Orkan in Süddeutschland hinterlässt, ist einfach unbeschreiblich. Mit Spitzenböen bis über 200 km/h, einer für Landorkane schon sehr ungewöhnlichen Stärke, wütet LOTHAR in Süddeutschland und Teilen der Schweiz mit brachialster Gewalt und richtet Schäden an, die teilweise noch weit über das Zerstörungspotential der Frühjahrsorkane VIVIAN und WIEBKE aus dem Frühjahr 1990 hinausgehen.

Und ebenso schnell wie der Orkan an diesem verhängnisvollen Weihnachtstag über die betroffenen Regionen hereingebrochen ist, - ebenso schnell zieht er weiter nach Österreich und Tschechien, wo er sich aber rasch abschwächt und zum Glück nur noch vergleichsweise geringe Schäden verursacht...

In vielen der überstrichenen Gebiete Deutschlands und der Schweiz wird LOTHAR dagegen schon jetzt als der verheerendste Orkan seit Beginn meteorologischer Aufzeichnungen bezeichnet.

LOTHAR folgt Sturm der Kritik am DWD

Und dann bricht das Unwetter auch über den Deutschen Wetterdienst herein. Bereits am Abend des Unwetters um 20:15 Uhr senden die ARD einen BRENNPUNKT zu Orkan LOTHAR. Darin werden unter dem Eindruck der gigantischen Zerstörungen, die der Orkan hinterlässt, schwere Vorwürfe wegen unterbliebenen oder verspäteten Unwetterwarnungen gegen den DWD erhoben. Joerg Kachelmann, Chef des privaten Schweizer Wetterdienstes Meteomedia und ARD-Fernsehmeteorologe, erläutert, dass der DWD den Sturm ganz offensichtlich nicht oder erst viel zu spät erkannt habe. Die dramatische Entwicklung des Orkans sei bereits am Vorabend vom französichen und britischen Wetterdienst eindeutig erfasst und angekündigt worden, aber die für viele Steuermillionen angeschafften neuen Supercomputer des DWD hätten offenbar völlig versagt.

An den Folgetagen nehmen sich immer mehr Medien diesem Vorwurf an. Und nicht nur Joerg Kachelmann, der seine Vorwürfe noch einmal im nachfolgenden Wetterspiegel-Interview zusammenfasst, sondern auch andere private Wetterdienste werfen dem DWD nun offen ein klares Versagen vor. Kurioserweise tun sich inzwischen auch solche Dienste vor laufender Kamera durch lautstarke Kritik an den Offenbachern hervor, die selber überhaupt nicht oder erst dann auf den Sturm hingewiesen hatten, als im Schwarzwald bereits ganze Waldgebiete flach lagen. - Hier stellt sich einmal mehr die Frage nach der Seriosität gewisser "Internet-Wetterservices". Offenbar gilt im losgetretenen Hauen und Stechen allein die Devise: Ein gemeinsamer Sündenbock eint...


INTERVIEW MIT JOERG KACHELMANN

Joerg Kachelmann ist Chef des privaten Schweizer Wetterdienstes "Meteomedia-AG" und Mitbegründer des privaten Deutschen Wetterdienstes "Meteofax". Herr Kachelmann ist vielen Fernsehzuschauern auch als ARD-Fernsehmeteorologe bekannt.

Wetterspiegel: Herr Kachelmann, - Sie haben den DWD in den letzten Tagen im Zusammenhang mit dem Weihnachtsorkan LOTHAR scharf angegriffen. Können Sie uns noch einmal erläutern, welches Ihre wichtigsten Kritikpunkte sind?

Kachelmann: 1. Die Warnung erfolgte - wenn überhaupt - viel zu spät, die französischen und englischen Computermodelle hatten den Orkan spätestens am 25.12. abends korrekt erfasst. Am 26.12. um 1 Uhr morgens war durch den Druckfall auf der Insel Ouessant klar, dass die Modellszenarien eintreffen würden.
2. Der DWD setzt falsche Prioritäten, indem er Steuermillionen für überflüssigen Unsinn (Wetterflüge, PR, Merchandising etc.) einsetzt und darob die Daseinsvorsorge vernachlässigt. Das LM-Modell hatte schon bei Orkan Anatol kläglich versagt und hätte ausser Dienst gestellt werden müssen - 70 Millionen hin oder her.

Wetterspiegel: Der DWD hält dagegen, dass auch Ihr Dienst den Sturm nicht wesentlich früher erkannt haben soll, denn auch in dem von Ihrem Dienst belieferten Berliner TAGESSPIEGEL vom 26.12. sei von dem Orkan noch keine Rede gewesen und Warnungen habe es auch in anderen von Meteofax betreuten Medien nicht oder erst sehr spät gegeben. Wann und wo haben Sie vor dem Ereignis gewarnt?

Kachelmann: Es ist bemerkenswert, dass gestandene Beamte anfangen, einen Zeitungswetterbericht für Berlin und Brandenburg durch die Gegend zu faxen. Der Tagesspiegel ist eine Regionalzeitung für diese beiden Länder, die erwartungsgemäss vom Orkan nicht erfasst wurden; für Süddeutschland und die Schweiz ist ohnehin nicht Meteofax, sondern die Meteomedia in Gais
zuständig und sie hat ihre Kunden nachweislich gewarnt. Im übrigen legt der DWD Wert darauf, dass das Warnwesen eine hoheitliche Aufgabe sei, aus der sich private Wetterdienste raushalten sollten. Der DWD möge sich entscheiden, was er nun will.

Wetterspiegel: Als Hauptkritikpunkt in der öffentlichen Diskussion kristallisiert sich mehr und mehr das Fehlen bzw. Versagen des staatlichen Warnsystems heraus. Wie sollte ein solches Warnsystem nach Ihrer Einschätzung aussehen?

Kachelmann: Wie in den USA.

Wetterspiegel: Ein neues Jahr beginnt immer mit guten Wünschen. Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, - was würden Sie sich in diesem Moment vom DWD wünschen?

Kachelmann: Fairness. Professionalität. Verantwortung.

Wetterspiegel: Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Anmerkung der Redaktion: Frage 2 dieses Interviews mit Herrn Kachelmann bezieht sich auf den Wetterbericht des Berliner TAGESSPIEGEL vom 26.12.99, in dem es unter der überregionalen Rubrik WETTERLAGE wörtlich heisst: "Ein kleines, namenloses Tief zieht heute nach Mitteleuropa und sorgt verbreitet für kräftige Niederschläge". Dabei muss man allerdings festhalten, dass Pressewetterberichte bereits am Vortag - mittags - erstellt werden. Dieser Bericht ist also zu einem Zeitpunkt erstellt worden, zu dem der Orkan noch nicht modelliert worden ist.

Reaktion des DWD auf Kachelmanns Vorwürfe

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) reagierte am 29. Dezember mit einer Pressemitteilung auf Herrn Kachelmanns Vorwürfe. Der DWD, so der Tenor des DWD-Papiers habe den Orkan weder verschlafen noch habe es versäumt, die Bevölkerung rechtzeitig vor dem Ereignis zu warnen.

Wir dokumentieren diese von Manfred Kurz, Leiter des Geschäftsbereichs Vorhersagekunden und Medien des DWD herausgegebene Pressemitteilung mit dem Titel "Die Wahrheit über LOTHAR" im Folgenden in ungekürzter Fassung. Nach Angaben von DWD-Sprecher Uwe Wesp, hätten die Presseagenturen und Medien diese Richtigstellung bisher (Stand: 30.12.99) schlichtweg ignoriert. - Nun denn, so stellen wir sie nunmehr an dieser Stelle zur Diskussion...


Stellungnahme des Deutschen Wetterdienstes:

Die Wahrheit über LOTHAR

Im Zusammenhang mit dem Orkantief LOTHAR, das am zweiten Weihnachtstag über Deutschland hinwegzog und insbesondere in Baden-Württemberg riesige Schäden verursachte und auch Todesopfer forderte, hat der Chef der privaten schweizerischen Wetterfirma Meteomedia, Joerg Kachelmann, dem Deutschen Wetterdienst Fahrlässigkeit und Versagen vorgeworfen. Der DWD habe diesen Orkan "verschlafen", was impliziert, dass der Dienst keine adäquaten Unwetterwarnungen herausgegeben habe oder wenn, dann viel zu spät. Diese Vorwürfe gehen zum grossen Teil an der Wahrheit vorbei und bedüfen deshalb unbedingt der Richtigstellung.

Korrekt ist, dass die neuen numerischen Vorhersagemodelle des DWD die Entwicklung des Orkantiefs nicht exakt erfasst haben. Aber die Modellvorhersagen waren immerhin so gut, das bereits am Vortag klar war, dass in weiten Teilen Deutschlands am zweiten Feiertag stürmische Winde herrschen würden. Dementsprechend liefen in allen von dem Orkan betroffenen Gebieten Wind- bzw. Sturmwarnungen, in denen auf die Gefahr von Windgeschwindigkeiten bis zu 90 km/h (das ist Windstärke 10 !) hingewiesen wurde. Behörden wie auch Bevölkerung waren somit vorgewarnt. Und es ist nur die halbe Wahrheit, wenn Herr Kachelmann behauptet, die Modelle hätten - ausgehend vom 00-Uhr-Lauf am 26.12.99 - nur Windstärken 5 - 6 im Mittel für die Mittagszeit vorhergesagt. Die volle Wahrheit ist, dass diese Modelle gleichzeitig Böengeschwindigkeiten von 80 bis 90 km/h (d.h. also Windstärke 9 - 10 !)für Südwestdeutschland und bis zu 120 km/h (Windstärke 12, vollen Orkan) für die Schweiz und das Bodenseegebiet prognostizierten - Werte, die in den zuletzt genannten Gebieten gar nicht weit entfernt von den dann eingetretenen lagen.

Und dass der DWD den Orkan "verschlafen" habe, entspricht einfach nicht den Tatsachen. Dass vom Vortag her schon Sturmwarnungen liefen, wurde bereits erwähnt. Als dann in der zweiten Nachthälfte die tatsächliche Entwicklung aus den von Frankreich eintreffenden Beobachtungen sichtbar wurde, reagierten die für den Warndienst zuständigen Regionalzentralen rasch und gaben in den Vormittagsstunden (in München mittags) Unwetterwarnungen heraus, in denen vor Spitzenböen von 100 - 150 km/h gewarnt wurde. Das war korrekt und erfolgte in Anbetracht der bereits laufenden Warnungen auch rechtzeitig.

Diese Unwetterwarnungen wurden an die für den Katastrophenschutz zuständigen Landesbehörden sowie an die jeweiligen Rundfunk- und Fernsehanstalten übermittelt. Der raschen Verbreitung einer solchen Unwetterwarnung über die Medien kommt ja wegen der Information der Öffentlichkeit eine ganz besondere Bedeutung zu. Leider mussten wir feststellen, dass zumindest bei einem Sender die Wichtigkeit dieser Aktion nicht so gesehen wurde und es erst der Intervention des DWD bedurfte, um die Unwetterwarnung mit mehr als einstündiger Verspätung zu verbreiten!

Dass der DWD hellwach und aktiv war, sei auch noch an zwei anderen Beispielen belegt. So hat das Medien-Service-Zentrum des DWD in Offenbach bereits kurz nach 07 Uhr einen Text an die Presseagenturen verbreitet, in dem auf das Orkantief und die zu erwartende Unwettergefahr klar hingewiesen wurde. Nach Rücksprache mit dem Meteorologen Jens Hoffmann vom MSZ verbreitete dpa zwei Stunden später die Nachricht, dass ein "Orkan von der fettesten Sorte" auf Deutschland zurase, der Geschwindigkeiten zwischen 100 und 170 km/h mit sich bringe. Ganz Südwestdeutschland kommt ins volle Orkanfeld rein und es werden sicher Bäume umgerissen und Dächer abgedeckt, erklärte damals Jens Hoffmann. Kurze Zeit später passierte das tatsächlich!

Nein, verschlafen hat der DWD den "Lothar"-Orkan sicherlich nicht. Trotz einiger Probleme mit den Vorversagemodellen haben die Meteorologen und Wetterberater des DWD diese extreme Wetterlage gut in den Griff bekommen und rechtzeitig und präzise Unwetterwarnungen herausgegeben.

Manfred Kurz
Leiter des Geschäftsbereichs
Vorhersagekunden und Medien

Weshalb wurden die Warnungen des DWD so spät bekannt?
Nach Recherchen des Wetterspiegel steht es ausser Frage, dass der DWD in den Morgenstunden des 26.12.99 vor dem aufziehenden Orkan gewarnt hat, die eigenen Analysekarten hatten das Desaster längst gezeigt. - Die Frage, ob diese Warnungen hätten früher erfolgen können oder müssen, ist sicher ein wesentlicher Fakt im aktuellen Streit. Ein anderer, unserer Ansicht nach allerdings viel wichtigerer Fakt ist die Frage nach der Effizienz des bestehenden Warnsystems. Der in einigen Medien beschmunzelte Hinweis des DWD, um 7:15 Uhr das Bundeskanleramt informiert zu haben, erscheint nur auf den ersten Blick recht abstrus. Denn tatsächlich steht das Bundeskanzleramt, ebenso wie die Lagezentren der Innenministerien der Länder, in den Verteilerlisten für Wetterwarnungen ganz vorne. Und genau die letztgenannten, staatlichen Stellen sind es, die tatsächlich über die Veröffentlichung von Warnmeldungen entscheiden und diese ggf. auch an die Öffentlichkeit weiterleiten, nicht der DWD.

Und genau dieser Weg zur Umsetzung einer Unwetterwarnung kann sich im Einzelfall als echtes Handicap für den DWD darstellen. Wenn die entsprechende, vorgeschaltete Stelle nämlich nicht besetzt ist oder nicht sofort reagiert, können sich bei der weiteren Verbreitung eiliger Warnmeldungen vom DWD selbst nicht zu vertretende Verzögerungen ergeben und so drängt sich der Verdacht auf, dass die unverzügliche Weiterverbreitung der Unwetterwarnungen des DWD am zweiten Weihnachtstag u.a. genau an diesen Strukturen gekrankt hat. Und damit verdient die Frage nach der Effizienz des bestehenden Warnsystems eine weitaus grössere Beachtung, als ihr in der bisherigen Diskussion zuteil geworden ist.

Dieses ist auch Hauptgegenstand der Kritik des ehemaligen DWD-Mitarbeiters Klaus Gagel. Gagel kritisiert vor allem diejenigen internen Strukturen des Apparates DWD und ihre Vernetzungen mit anderen Dienststellen des Bundes und der Länder, die effiziente Reaktionen auf überraschende Wetterentwicklungen seiner Ansicht nach blockieren bzw. unmöglich machen. So richtet sich Gagels Kritik auch weniger an die im Vorhersagedienst tätigen Meteorologen, sondern in erster Linie an den Apparat Wetterdienst und dessen Vernetzung mit der dienstvorgeordneten Behörde, dem Bundesverkehrministerium. Auch Gagel erläutert seine Position ausführlich im nachfolgenden Wetterspiegel-Interview:

INTERVIEW MIT KLAUS GAGEL

Klaus Gagel ist heute freier Meteorologe. Herr Gagel nimmt gelegentlich zu meteorologischen Fragen Stellung. Er arbeitete von 1989 bis 1998 selbst beim DWD in verschiedenen Dienstellen im Bereich Vorhersage bzw. Medien.

Wetterspiegel: Herr Gagel, Sie haben dem DWD vorgeworfen, nicht rechtzeitig bzw. nicht effizient vor dem Orkan LOTHAR gewarnt zu haben. Der DWD weist diese Vorwürfe entschieden zurück. - Können Sie uns die Kernpunkte Ihrer Kritik noch einmal kurz erläutern?

Gagel: Am Beispiel dieses Orkans (es gibt noch weitere, weniger sicherheitsrelevante Beispiele) zeigt sich, daß die europäischen Wetterdienste im Prinzip noch arbeiten wie vor 50 Jahren: Erst wenn die Meldungen extremer Drucktendenzen schon von mehreren der Stationen gemeldet und immer wieder bestätigt werden, wird auch wirklich geglaubt, dass es sich tatsächlich um ein Unwetter handelt. So erreichten Unwetterwarnungen erst gegen 08.00 Uhr, für Bayern erst gegen 12.00 Uhr den Endkunden.

Mit der klassischen synoptischen Arbeitsweise des Jahres 1950 wären Warnungen zu ähnlichen Zeitpunkten, mindestens im Fall von Bayern sogar zu einem früheren Zeitpunkt herausgegeben worden.

Die Fortschritte der numerischen Wettervorhersage, die seither die Meteorologie wesentlich vorangebracht haben, tragen in diesem sicherheitsrelevanten Bereich so gut wie keine Früchte. Dies gilt allgemein, denn beim nächsten Unwetter wird, wenn sich nichts ändert, wieder nach den klassischen Verfahren gearbeitet.

Die Pressemitteilungen des Deutschen Wetterdienstes, speziell die Pressemitteilung vom 09.11.1999 , muß vom Bürger auf diesem Hintergrund als Frechheit und Irreführung interpretiert werden.

Wetterspiegel: Das Verkehrsministerium, als vorgesetzte Dienstbehörde des DWD hat Ihre Kritik am Fehlen einer effizienten Warn-Infrastruktur in scharfer Form zurückgewiesen. Ihre Feststellungen seien unzutreffend und Ihr Vorgehen unprofesionell. Weshalb reagiert man Ihrer Meinung nach so empfindlich auf Ihre Einlassungen?

Gagel: Die Äußerungen des Bundesverkehrsministeriums, meine Kritik am Deutschen Wetterdienst sei "unseriös" und "völliger Quatsch", belegen ein hohes Maß an Sachunkenntnis, zudem leider auch an Arroganz.

Ich gehe davon aus, daß ich einige Sachverhalte im Kern getroffen habe: Denn das Vorgehen der Behörden, nach dem Rasenmäherprinzip Personal zu kürzen, rächt sich jetzt. Der konsequente Aufbau notwendiger Schritte zu Effizienzsteigerungen im Bereich Warnung wurde in den letzten 10 Jahren unterlassen, weil die Behörde mit ihrer eigenen Umorganisationen und dem Abbau von Personal beschäftigt war, aber nicht mit der Frage der Effizienzsteigerung nach außen.

Die Personalproblematik spielt eine besondere Rolle: In puncto Alterstruktur, Perspektiven der Jungen und Stellenkürzungen wurde im Prinzip alles getan, um den Vorhersagedienst zu schwächen. Die Stellenkürzungen, die von ganz oben verordnet wurden, hat das DWD-Management uncouragiert und achselzuckend hingenommen. Ganz im Gegenteil: Im Bereich Vorhersage lief der Stellenabbau beschleunigt, im Bereich der eigenen Bürokratie und Verwaltung langsamer oder gar nicht.

Ich stelle aber fest: Ohne einen leistungsfähigen Wetterdienst bleiben die gesetzlichen Aufgaben zur Sicherung der nationalen Sicherheit in puncto Wettervorhersage weit hinter den zur Verfügung stehenden Potentialen zurück.

Wetterspiegel: Wie beurteilen Sie die Kritik der privaten Dienste am DWD?

Gagel: Zunächst einmal zu Vorwürfen einiger privater Dienste, "3000 Mitarbeiter des DWD" hätten das Unwetter "verpennt": Eine solch' unsachliche, vor allem undifferenzierte Kritik, ist nicht angebracht. Diese Kritk dient nur den wirtschaftlichen Eigeninteressen privater Dienste, die zwar sagen, sie hätten speziell bei diesem Unwetter besser ausgesehen, aber in Wirklichkeit keinen Deut besser wären, wenn sie die konkrete Verantwortung im Bereich Warnung hätten. Auch ich hätte in dieser Situation nicht besser vorhergesagt als die im Dienst anwesenden Mitarbeiter.

Zur Klarstellung: Der Deutsche Wetterdienst beschäftigt ca. 3000 Mitarbeiter, in der Regel sind es Beamte. Ein Großteil dieser Mitarbeiter ist nicht mit der Vorhersage- und Warntätigkeit befaßt, sondern hat andere, wirklich nützliche Aufgaben, wie z.B. die Erstellung von Klimagutachten, Forschung und Entwicklung, Meßdatenerfassung, Sicherung der Seeschiffahrt. Es wäre falsch, den gesamten Koloss Wetterdienst, der ein Gemischtwarenladen aus hoheitlichen Aufgaben, Forschungsaufgaben und kommerziellen Tätigkeiten ist, als Ganzes anzuprangern. Aber die Fehler einer falschen Umorganisation schlagen nun wie ein Bumerang auf den ganzen Wetterdienst zurück.

Wetterspiegel: Auch in der öffentlichen Diskussion kristallisiert sich immer mehr Kritik am Fehlen bzw. Versagen des Vorwarnsystems heraus. Wie sollte ein solches Warnsystem nach Ihrer Einschätzung aussehen?

Gagel: Zu einem effizienten Vorwarnsystem kommt man zunächst einmal, wenn die Institution, die warnt, auch ernst genommen wird. Denn bei Warnungen ist es entscheidend, WER warnt, WIE er warnt und WELCHEN Respekt er in der Bevölkerung genießt.

Respekt und Glaubwürdigkeit sind nicht aufzubauen, wenn im kommerziellen Bereich umstrittene Produkte verkauft werden, wie z.B. das Wolkengewabber abends in der ARD.

Intern liegen die Defizite beim
1. konsequenten realtime Modell-Monitoring durch Vergleich Beobachtungen zu Modellrechnung.
2. Abklopfen aller Modelle auf Hinweise. Konsequentes Verfolgen der Modellhinweise über alle Modellrechnungen und über alle zur Verfügung stehenden Modelle.
3. Bei Herauskristallisieren von verstärkten Hinweisen intensive Beschäftigung mit diesem Vorgang evtl. Vorwarnung/Discussion, wie in USA z.B. mit bestehenden tropischen Stürmen. In Europa haben wir das Problem, daß wir uns mit einer Gefahr befassen müssen, die es noch nicht gibt. Daher haben wir an frühzeitigen Informationen nur die Modellinformationen verfügbar, bevor Beobachtungen die Gefahr auch wirklich belegen.

Extern ist die nachgeschaltete Warninfrastruktur entscheidend:

1. Die Medien gesetzlich verpflichten und im Verstoßfalle zu sanktionieren.
2. Die Möglichkeiten elektronischer Medien voll zu nutzen.
3. Nachgeschaltete Verfahren (ebenso effiziente Krisen- und Katastrophenstäbe), die die Umsetzung garantieren, damit die Sicherheit auf einem maximalen Niveau gewährleistet ist.

Wetterspiegel: Ein neues Jahr beginnt immer mit guten Wünschen. Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, - was würden Sie sich in diesem Moment vom DWD wünschen?

Gagel:
1. Abbau von Bürokratie und Verwaltung
2. Stärkung der vorhersagenden Meteorologenschaft durch Perspektiven und Leistungsanreize
3. Konstruktives Aufnehmen dieser Kritik mit Prüfung, ob es verbessernde Änderungen nicht vielleicht doch beim DWD geben könnte.

Wetterspiegel: Wir danken Ihnen für das Gespräch


Gagel steht mit seiner mutigen Einzelkritik so ziemlich alleine da. Den einen geht seine dezidierte Kritik nicht weit genug, er nehme den DWD viel zu sehr in Schutz und helfe damit, das wiederholte Versagen des DWD zu kaschieren. Die anderen, ehemalige Kollegen und Dienstvorgesetzte sehen in Gagels Positionen dagegen einen unmittelbaren Angriff auf die eigene Daseinsberechtigung, mit dem Ziel gute Arbeit schlechtzureden und der öffentlichen Kritik zu opfern. Die Emotionen kochen hoch und verstellen nur gar zu leicht den Blick auf das, was jetzt sicher am nötigsten wäre: Eine Versachlichung der öffentlichen Diskussion!

Nicht erst beim nächsten Orkan, sondern bereits jetzt sollten umgehend sämtliche Aspekte beleuchtet und geprüft werden, die künftig einer besseren und schnelleren Warnung vor Extremereignissen wie dem Orkan LOTHAR dienen könnten. Ziel sollte dabei fraglos eine deutliche Verbesserung der Effizienz, notfalls im Wege einer Reform des bestehenden Warnsystems sein. - Letztlich kann und darf es nicht sein, dass der gerade diensttuende Moderator eines Radiosenders darüber entscheidet, ob er eine dringende Warnmeldung für mitteilenswert hält oder nicht.


Was sollte in Zukunft verändert werden?

Wir würden uns wünschen, dass auch Sie, liebe Wetterspiegel-Besucher, sich an dieser Diskussion konstruktiv beteiligen. Nicht im gegenseitigen Hick-Hack der Dienste um die Mediengunst - frei nach dem Motto "Wer ist der beste im ganzen Land? - , sondern allein im Wege einer sachlich geführten Diskussion zum Thema können kreative Ansätze zur Verbesserung der Vorsorge vor schweren Unwettern in der Zukunft liegen und auch dies nur im Rahmen des menschenmöglichen. Aber genau das sollte auch getan werden. - Wie denken Sie darüber?

Schreiben Sie an unsere Redaktion, denn dieses Special soll wachsen. Es soll wachsen um Ihre Beiträge, die nach den ersten, noch sehr emotional geprägten Medienstimmen, jetzt umso wichtiger sind. Schreiben Sie uns Ihre Meinung - wir richten zu diesem Special eine spezielle Leserbriefseite ein und werden Sie über den Stand der Diskussion so stets auf dem Laufenden halten.


Bildernachweis:

Alle Zeitangaben beziehen sich auf UTC:
Bild 1: Meteosat-IR v. 26.12. um 00 h, darunter 24-h-GIF-Animation, Quelle: Wetterspiegel
Bilder 2-4: Meteosatbilder v. 25./26.12. um 18/00/06 h, Quelle: Dundee, GB
Bild 5: Meteosatbild-Vis v. 26.12. um 12 h, Quelle: Wetterspiegel
Bild 6: Joerg Kachelmann, Quelle: Meteomedia-AG, Gais, CH
Bild 7: DWD-Logo, Quelle: DWD, Offenbach
Bilder 8+9: Wetterkarten v. 26.12. um 03+06 h, Quelle: DWD, Offenbach
Bild 9: Klaus Gagel, Quelle: Klaus Gagel
Bild 10: Bild aus TV-Wolkenfilm, Quelle: DWD

Rückblende:
Bild 11: Zugbahn und Druckentwicklung von LOTHAR, Quelle: Wetterspiegel
Bild 12: Vorhersagekarte des UKMO für den 26.12. 12 h, Quelle: UKMO, GB
Bilder 13+14: Meteosatbilder-Vis v. 26.12., 09:30+11 h, Quelle: Wetterspiegel
Bild 15: Grafik LOTHAR über Süddeutschland mit Zugbahn, Quelle: Wetterspiegel
Bild 16: Meteosatbild-Vis v. 26.12. um 12:30 h, Quelle: Wetterspiegel
Bild 17: Meteosatbild-Ir v. 26.12. um 17:30 h, Quelle: Wetterspiegel
Bild 18: Radarbild bzw. 24-h-Animation v. 26.12., Quelle: Wetterspiegel

Alle Copyrechte liegen jeweils bei den unter "Quelle" benannten Urhebern!



LESERBRIEFE

Ich wurde durch www.wetterspiegel.de aufmerksam. Keiner wußte was, nichts kam im Radio oder Fernsehen. Im Wetterspiegel konnte man es sehr gut beobachten. Ich bin der Meinung die Medien haben versagt, total sogar. Dass Warnung möglich gewesen wäre hat der Wetterspiegel ja gezeigt.

Jürgen Krauss, E-Mail: jkerauss@jkrauss.de



Zum Interview mit Jörg Kachelmann - Wettertext des TAGESSPIEGEL: Auch die Verfasser des TAGESSPIEGEL-Wetterberichtes haben die Entwicklung frühzeitig erkannt, dennoch sollte bekannt sein, dass der Redaktionsschluss bei Zeitungswetterberichten bereits in den Mittagsstunden ist. Und abgesehen vom DWD zeigten die Berechnungen verschiedener Wetterdienste erst am späten Nachmittag den dramatischen Verlauf.

Thomas Globig, Wetterredaktion METEOFAX Berlin



Hallo liebes Wetterspiegel Team

Wir moechten Ihnen fuer Ihren sehr gelungenen Bericht ueber den Orkan Lothar gratulieren! Wir befinden diesen Bericht als den mit Abstand objektivsten! Ihre gesammte Internet Praesenz ist sehr gelungen!

Mit freundlichen Gruessen

Thomas Scheelen (Sinus-Elektronik Abt. Meteo/ Fernerkundung)



Ich habe Ihr Special gelesen und es wundert mich gar nicht, dass am 2. Weihnachtstag dieser Orkan verpennt wurde. Das darf zwar nicht so sein, ist aber passiert. Gerade Nachts. Auch Troja ist gefallen, nach dem die Stadt gefeiert hatte. Solche Tage sind immer anfällig für Störfälle aller Art. Ich nenne das mal, das Trägheitsgesetz des feiernden Menschen.

Ocholl


Hat jemand gestern diese Focus-TV-Sendung auf Pro 7 gesehen? Ist der Herr Kachelmann so gut? Hat er den Sturm vorhergesehen? In Ihrem Special hatte ich nicht den Eindruck, als ob er besser war, als alle anderen. Wie jetzt?

Justus Martin



Zu Ihrem Artikel, der erfreulich objektiv ist, möchte ich folgendes
anmerken:

1. Es bleibt unbestritten, dass das Prognosemodell des DWD den Orkan nicht in voller Stärke erkannt hat, was aber auch den anderen Wetterdiensten nicht so ganz gelungen ist. Auch hier waren die Prognosen bezüglich Zugrichtung und Stärke ungenau, die von Herrn Kachelmann in seiner Promotion-Sendung Focus-TV gezeigte Karte von Meteo-France wies gerade mal Windgeschwindigkeiten von maximal 60 Knoten (ca.110km/h) aus.

2. Hauptproblem war nicht die Warnung seitens des DWD sondern die verzögerte oder verhinderte Weitergabe durch andere Behörden und teils auch durch die Medien. So gab der Leiter des Katastrofenschutzzentrums Baden-Würtemberg in Focus-TV selber vor der Kamera zu, die Nachricht nicht unverzüglich weiter gegeben zu haben, da dies nicht dem üblichen Dienstweg entspreche. Man denke über eine Beschleunigung des Weges nach.
Ich denke, das sagt fast alles. Der DWD müsste, ähnlich wie der amerikanische Wetterdienst, über die Medien einen direkten Weg der Warnabgabe haben, dann könnte oftmals schneller gewarnt werden. So entscheiden, wie von Ihnen schon
angesprochen, andere Behörden oder Redakteure, oft in völliger Unkenntnis, ob und wann und in welchem Umfang gewarnt wird. Die Schuld für nicht ergangene Warnungen bekommt ja sowieso der DWD....

3. Herr Kachelmann braucht sich gar nicht so aufzuplustern, er hat ja auch nicht früher als der DWD gewarnt und seine Vorhersagen in der Zeitung lagen schlichtweg völlig daneben, wovon ich mich persönlich überzeugen durfte.

4. Selbst wenn eine Warnung bereits Tage vorher ergangen wäre (was bekanntermassen ja nicht geht) glaube ich nicht, dass sich irgend etwas an den Folgen geändert hätte, da meist keiner auf solche Warnungen reagiert. Es wäre mit Sicherheit kein Baum weniger umgefallen oder kein Dach weniger abgedeckt worden als so auch und die bedauerliche Zahl der Opfer hätte sich vermutlich kaum geändert, allerdings hätte man keinen Sündenbock mehr gehabt. Die Behauptung eines Bürgermeisters, auf dessen Marktplatz ein Autofahrer von einem umstürzenden Maibaum erschlagen wurde, man hätte bei früherer Warnung den Marktplatz für die Allgemenheit gesperrt, ist schlichtweg lächerlich. Gar nichts wäre passiert, wie sonst auch immer. Vielleicht hätte man den Maibaum mal ordentlich aufstellen sollen....

Mit freundlichen Grüßen

Walter Koelschtzky






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RÜCKBLENDE

Auf vielfachen Wunsch unserer Besucher fügen wir diesem Special noch einmal die Wetterspiegel-Dokumentation von jenem dramatischen Weihnachtsfest an, als sich der Orkan LOTHAR binnen Stunden entwickelte und sodann seinen verhängnisvollen Weg über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland nahm...

Orkan LOTHAR - die Wetterspiegel-Chronik

Unser Bild zeigt den genauen Weg und die Entwicklung des Luftdrucks von Orkan LOTHAR am 26. Dezember 1999. Der Orkan war nicht nur bezüglich seiner Entwicklung, sondern auch hinsichtlich seiner Verlagerungsgeschwindigkeit ein wahrer Schnell-Läufer. Aus der Grafik lässt sich ein Stück weit erahnen, weshalb der genaue Weg des Orkans im Vorfeld so schwer vorherzusagen war, - zu schnell vollzogen sich die Änderungen der wichtigsten meteorologischen Grössen in seinem Kern...

Unsere Meldungen und Nachrichten - chronologisch sortiert

UNWETTERWARNUNG!

Schwerer Sturm mit Orkanböen im Anmarsch

ausgegeben vom Instistut für Wetter & Klimaanalyse am Samstag, den 25.12.99 um 22:20 Uhr - gültig für Sonntag, den 26.12.99 von 08:00 bis 20:00 Uhr: Im gesamten Süden Deutschlands sowie im Mittelgebirgsraum muss am Sonntag mit Südweststurm der Stärke 8 bis 9 Beaufort gerechnet werden. In freien Lagen sind dabei schwere Sturmböen bis Stärke 11, im Bergland sogar Orkanböen der Stärke 12 Beaufort zu erwarten. Gegen Abend dreht der Wind mit Passage einer Kaltfront auf West bis Nordwest. Dabei kann es vorübergehend auch im Flachland zu Orkanböen kommen!

25.12.1999 22:20 iwk

Schwerer Sturm am zweiten Weihnachtstag

Orkantief nimmt Kurs auf Deutschland

Marburg - Nach neuesten Berechnungen des Britischen Wetterdienstes muss am zweiten Weihnachtsfeiertag, am Sonntag, den 26. Dezember 1999 über weiten Teilen Deutschlands mit einem schwerem Sturm gerechnet werden. Nach den Modellrechnungen des Dienstes soll ein Orkantief mit seinem Zentrum genau über Deutschland hinwegfegen und dabei vor allem in den südlichen und mittleren Landesteilen zu schwerem Sturm mit Orkanböen führen. Auch andere Wetterdienste prognostizieren ein neues Tief, das sich aber weniger stark entwickeln soll, als nach den Rechnungen der Briten. - Im Unterschied zu anderen europäischen Diensten hat sich der Britische Wetterdienst gerade bei Sturmvorhersagen in den letzten Wochen mehrfach - so zuletzt bei dem Orkan ANATOL - durch sehr präzise Prognosen hervorgetan. Trifft die Prognose ein, so dürfte sich zu unserem Weihnachtswetter nach Eisregen, Tauwetter, Wintergewitter und stürmischem Wind nun also auch noch ein Orkan hinzugesellen...

Zum Bild: Die Wetterkarte des Britischen Wetterdienstes für den 26.12. zeigt das Orkantief auf seinem Weg über Deutschland. Der Süden des Landes läge bei dieser Entwicklung voll im Orkanfeld!

25.12.1999 22:20 iwk

UNWETTERWARNUNG!

Schwerer Sturm mit Orkanböen erwartet

ausgegeben vom Institut für Wetter- & Klimaanalyse am Sonntag, den 26.12.99 um 09:00 Uhr, gültig für Sonntag, den 26.12.99 von 09:00 Uhr bis 20:00 Uhr: - In der gesamten Südhälfte Deutschlands einschliesslich den Deutschen Mittelgebirgen besteht während des genannten Zeitraums Gefahr schweren Süd- bis Südweststurms mit Windstärke 9 bis 11, das entspricht Windgeschwindigkeiten von 90 bis über 110 km/h. Vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, sowie in den Hochlagen der Mittelgebirge können Orkanböen der Windstärke 12, mit 120 bis 140, vereinzelt auch über 150 km/h auftreten. Am Nachmittag dreht der Wind von Westen her auf westliche Richtungen. Aber erst in den Abendstunden flaut der Sturm wieder nennenswert ab. - Vorsicht: Der Aufenthalt im Freien birgt in den am stärksten betroffenen Regionen von den Mittagsstunden an Gefahren für Leib und Leben!

26.12.1999 09:00 iwk

Orkan Lothar hat das Saarland erreicht

Orkanböen bis über 150 km/h erwartet

Marburg - Ein gestern abend noch unscheinbares Wellentief südwestlich von Irland hat sich über Nacht zu einem intensiven Orkanwirbel entwickelt und dabei weiten Teilen Frankreichs schwere Sturm- und Orkanböen beschert. Aus Paris wurden am Morgen Böen bis über 170 km/h gemeldet. Nach ersten Meldungen wurden mehrere Menschen verletzt und zwei getötet. Zuvor war der Sturm über die Bretagne hinweggerast, wo Fallraten des Luftdrucks von bis zu 26,5 Hektopascal in nur 3 Stunden beobachtet worden waren! Am Morgen wurde im Kern des Sturms ein Luftdruck von knapp unter 965 hPa gemessen. Inzwischen hat Orkantief LOTHAR das Saarland erreicht. Sein Zentrum weist eine Wirbelstruktur auf, die an das Aussehen eines Hurrikans erinnert (siehe unser Satellitenbild von 10:30 Uhr MEZ). Da das Sturmfeld südlich des Kerns von Lothar besonders heftig ausgebildet ist, muss im Lauf des Tages vor allem in Südwest- und Süddeutschland mit schweren Sturmschäden gerechnet werden. Es werden Windgeschwindigkeiten bis über 150 km/h erwartet. Die voraussichtliche Zugbahn des Orkanzentrums dürfte entgegen den bisherigen Erwartungen nicht über das nördliche Deutschland, sondern in etwa entlang des Mains nach Osten verlaufen. - Wir berichten weiter.

Zum Bild: Die Satellitenaufnahme von Meteosat zeigt den Kern des Orkans Lothar im französich-saarländischen Grenzgebiet. Die verwirbelten Wolkenstrukturen erinnern an diejenigen eines tropischen Hurrikans.

26.12.1999 10:40 iwk
Orkan über dem Schwarzwald

Hunderte Bäume entwurzelt, Strom ausgefallen

Hamburg - Eben hat uns Georg Müller mit Meldungen aus dem Schwarzwald erreicht. Nach seinen Beobachtungen stürzen dort die Bäume wie Streichhölzer reihenweise um. Einen solchen Sturm hat er noch nicht erlebt, hieß es, kurz bevor die Telefonleitung zusammenbrach. Seither ist er auf diesem Wege nicht mehr zu erreichen. In vielen Teilen des Schwarzwaldes sei der Strom ausgefallen. Von schweren Sturmschäden wird auch aus dem deutsch-französischen Grenzgebiet berichtet. Hier würden zur Zeit die Häuser reihenweise abgedeckt.

Zum Bild: DER Orkanwirbel Lothar um 12 Uhr mit Zentrum etwa über Mannheim. An seiner Südseite tobt der Orkan derzeit am Schlimmsten!!!

26.12.1999 12:05 iwk

Schwere Schäden durch Orkan im Süden

Zentrum über Mannheim

Hamburg - Aus dem gesamten Südwesten wird von teilweise katastrophalen Folgen des gerade durchziehenden Orkans LOTHAR berichet. Das Sturmzentrum zieht zur Stunde über den Grossraum Mannheim/Heidelberg hinweg. In Karlsruhe wurden um 12 Uhr 151 km/h in Böen gemessen. Die Zugspitze bringt es aktuell auf 172km/h. Der Feldberg im Schwarzwald führt die Orkanliste in Deutschland mit 215 km/h an, das ist die höchste, hier je gemessene Windgeschwindigkeit. Freiburg 129 km/h, Trier 108 km/h, Saarbrücken 100 km/h und Konstanz 93 km/h folgen auf den Plätzen. In Folge des Orkans kommt es nach Auskunft der Polizei verbreitet zu Behinderungen durch umgestürzte Bäume und herumfliegende Dachteile. In Saarbrücken soll ein Baugerüst umgestürzt sein. In Karlsruhe soll ein Fußgänger von herunterstürzenden Dachteilen schwer verletzt worden sein. - Inzwischen sind die Niederschläge an der Nordseite des Orkans im hessischen Bergland bei sinkenden Temperaturen verbreitet in Schnee übergegangen. Selbst aus Marburg an der Lahn wird inzwischen Schneetreiben gemeldet.

Zum Bild:

26.12.1999 12:32 iwk

Orkan LOTHAR jetzt über Franken

Verheerendes Orkanfeld rast nun über Bayern hinweg

Marburg - Der Superorkan Lothar rast jetzt über Bayern hinweg. Sein Zentrum lag um 13:30 Uhr über dem Raum Nürnberg. Die verheerenden Orkanböen seines Sturmfelds rasen zur Zeit mit Geschwindigkeiten bis über 150 km/h über das südöstliche Baden-Württemberg und das südliche Bayern hinweg. Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und zerstörte Stromleitungen markieren seinen zerstörerischen Weg! Die Schäden gehen bereits in die Millionen. - Indessen sind die Niederschläge an der Nordseite des Sturms gebietsweise bis ins höher gelegene Flachland hinab in Schnee übergegangen. Aus den Mittelgebirgen wird von teils chaotischen Verkehrsverhältnissen berichtet...

Zum Bild: Orkantief Lothar um 13:30 Uhr mit Zentrum nahe Nürnnberg. Vor allem im südlichen Bayern tobt jetzt der Sturm mit brachialer Gewalt.

26.12.1999 13:40 iwk

Orkan kostet mindestens 50 Menschen das Leben

Es ist eine Orkankatastrophe ohne Beispiel für Westeuropa

Hamburg - Der Orkan zieht ab. Doch was bleibt, sind Schäden, die noch nicht zu überblicken sind. Es wird auf den Seiten des Wetterspiegel noch heute Abend eine detailierte Zusammenfassung der Ereignisse geben. Aber schon jetzt, beim Zusammenstellen der Fakten, wird deutlich, dass der Sturm LOTHAR für viele Regionen in Westeuropa eine der schlimmsten Orkankatastrophen in diesem Jahrhundert war. Sie hat nach den bisher vorliegenden Informationen mindestens 50 Menschen das Leben gekostet und Schäden in Millionenhöhe verursacht.

26.12.1999 20:35 iwk

Kurze Sturmpause

Aber der nächste Schnellläufer ist auf dem Weg

Fichtelberg - Der Wind wird langsam schwächer. Waren es um 20 Uhr in Böen noch 151 km/h, wurden um 21 Uhr (nur) noch 129 km/h gemessen. Auch auf der Zugspitze, den Gipfeln der Mittelgebirge und des Bayerischen Waldes nehmen die Windegeschwindigkeiten zur Stunde ab. Wir werden voraussichtlich morgen früh in Paris vor Ort sein, um uns ein Bild von den Zerstörungen zu machen. Paris erlebte die stärksten Winde seit dem dortigen Beginn meteorologischer Aufzeichnungen. Im Park von Versailles wurden mehrere tausend Bäume entwurzelt. Auf dem Champs Ellysées bietet sich ein Bild der Zerstörung, wie die Bilder der Kollegen vom Fernsehen eindrucksvoll zeigten.

26.12.1999 21:26 iwk


Orkan Lothar brach Wetterrekorde

Schwerste Orkankatastrophe seit vielen Jahrzehnten

Marburg - Noch bläst Orkan Lothar mit 150 Stundenkilometern über den Fichtelberg, da wird es entlang seiner Zugbahn Zeit für eine erste Bilanz: Mehr als 50 Menschen kostete der Monstersturm heute das Leben und von seinem verhängnisvollen Weg zeugt eine Schneise der Verwüstung: - An der bretonischen Küste hat der Sturm die Umweltkatastrophe perfekt gemacht, vor der die verantwortlichen Konzerne seit 14 Tagen Augen und Ohren verschlossen hatten:... - Zigtausende von Seevögeln verenden jämmerlich im Ölschlick, der Hinterlassenschaft des havarierten Tankers, Urlaubsstrände sind vom Öl verpestet. Hier hatte sich der Orkan letzte Nacht gebildet, - erste Anzeichen seiner verheerenden Entwicklung waren bereits in den Abendstunden erkennbar! In Nordfrankreich schlug der Monstersturm dann am Morgen mit voller Gewalt zu: Die schwersten Orkanböen seit Beginn meteorologischer Aufzeichnungen sorgten auch in der Millionenmetropole Paris für ein Desaster: Allein in dem berühmten Parc de Versailles entwurzelte der Sturm über 4000 Bäume, Fenster wurden eingedrückt, Autos wie Spielzeug durch die Luft gewirbelt. Die Spitzenböen erreichten hier bereits 171 km/h... - Dann schlug LOTHAR in Südwestdeutschland zu: Inzwischen auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung angelangt, fällte er im Schwarzwald ganze Waldgebiete, unterbrach Stromleitungen und deckte zahllose Dächer ab. Auf dem Feldberg wurde am Mittag eine Spitzenbö von 215 km/h gemessen. Diese Geschwindigkeit entspricht derjenigen eines Hurrikans der Klasse 3. - Inzwischen stellte sich der Orkan in Satellitenbildern auch optisch geradezu wie ein kleiner Wirbelsturm dar... - Am Nachmittag traf es dann Südostbaden und anschliessend Bayern: Der heftigste Orkan seit Jahrzehnten hinterließ in den überstrichenen Regionen auch hier ein Bild der Verwüstung. Die Schäden des Monstersturms werden in 3-stelliger Millionenhöhe vermutet. Und auch in der Schweiz hat der Megasturm immense Schäden hinterlassen. Ersten Meldungen zufolge legte der Sturm allein hier über 1 Million Kubikmeter Wald wie Streichhölzer um... - Bleibt die Frage, warum vor diesem Sturm nicht früher gewarnt worden ist und ob frühere Warnungen überhaupt möglich gewesen wären. Da sich der Orkan erst in den Abendstunden des gestrigen Tages entwickelte, war der Spielraum für geeignete Vorwarnungen sicher gering. Dennoch muß festgehalten werden, daß spätestens seit Samstag abend, 22 Uhr zumindest die potentielle Möglichkeit erkennbar gewesen ist, daß sich das bis dahin unscheinbare Wellentief südlich von Irland zu einem gefährlichen Killersturm entwickeln könnte... So diskutierten Hobbymeteorologen in diversen Internet-Wetter-Foren eifrig über die Entwicklungsmöglichkeiten eben dieser Welle und noch vor 23 Uhr war man sich weitgehend einig: Da braut sich ein Megasturm zusammen! - Für viele jener Wetterverrückten folgte eine schlaflose Nacht voller Aufregung und Spannung. Auch Angehörige unserer Wetterredaktion verzichteten zugunsten der Beobachtung der Ereignisse auf den Schlaf. - Auf offizielle Unwetterwarnungen wartete man allerdings bis zum frühen Morgen leider vergeblich, es war nunmal Weihnachten...

Zum Bild: Auf dem Abendbild sieht man, dass Orkan Lothar bereits nach Tschechien abgezogen ist. Statt dessen sind neue Wolkenpakete über dem Südwesten aufgezogen. Sie bringen erneut Sturmböen, die aber deutlich hinter der Stärke von Lothar zurückbleiben werden.

26.12.1999 21:30 iwk

Wer zahlt PKW-Schäden durch Orkan?

Pressemitteilung im Originaltext. Herausgeber: ADAC

München - Orkangeschädigte Autofahrer, deren Fahrzeug in Mitleidenschaft gezogen wurde, bekommen nach einer Information des ADAC ihre Kosten ersetzt, wenn sie eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abgeschlossen haben. Dies gilt sowohl für Zerstörungen durch Sturm als auch für Beschädigungen durch mögliche Überschwemmungen. Auch Schäden, die beispielsweise durch heruntergefallene Dachziegel entstanden sind, werden von der Kasko- und nicht etwa der Gebäudeversicherung des betreffenden Hausbesitzers geregelt. Da die Kaskoversicherung fahrzeugbezogen ist, kann man allerdings im Gegensatz zur Haftpflicht keinen finanziellen Ersatz für Wertminderung, Nutzungsausfall oder entstehende Mietwagenkosten geltend machen.

27.12.1999 17:12 ots


Orkan Lothar - Nachbetrachtungen

Jetzt Radaranimation - Special in Vorbereitung

Marburg - Drei Tage nach dem verheerenden Orkan LOTHAR, in dessen Verlauf u.a. auch unser Radarbildservice ausgefallen war, stellen wir die fehlenden Radarbilder noch einmal als vollständige Animation zur Verfügung. Durch Anklicken des nebenstehenden Radarbilds erhalten Sie eine komplette Animation des Sturmtags. Die lange Ladezeit der Animation bitten wir zu entschuldigen. Wir denken aber, dass es die dramatischen Vorgänge jener Wettertragödie rechtfertigen, auf diese Weise noch einmal dokumentiert zu werden. - Inzwischen ist in der Öffentlichkeit eine lebhafte Diskussion darüber entbrannt, ob Fehleinschätzungen und Versäumnisse des Deutschen Wetterdienstes (DWD) verhindert haben, dass die Bevölkerung rechtzeitig vor dem Killer-Orkan gewarnt worden ist. Scharfe Vorwürfe und harsche Zurückweisungen kennzeichnen das gegenwärtige Diskussionsklima. - Wir wollten wissen ob und inwieweit die erhobenen Vorwürfe berechtigt sind. Der Wetterspiegel bereitete daher zu diesem Thema das vorliegende Sonder-Special mit dem Titel STÜRMISCHE ZEITEN vor. Unser ursprünglich geplantes Special KLIMA IM UMBRUCH wird daher ins neue Jahr verschoben und erscheint nunmehr erst am 20. Januar 1999. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Zum Bild: Durch Anklicken des Bildes erhalten Sie eine vollständige Radaranimation der Regenzonen des Orkans Lothar vom 26.12.99 (ca. 1,4 mb)

29.12.1999 19:55 iwk

Frühere Wetterspiegel-Specials:
10.11.1999 Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder
Aberglauben und Bauernregeln bei optischen Erscheinungen der Atmosphäre


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